Die Geschichte der Sportanlage Nordendstraße

Tennis-Borussia, Hitlerjugend und Diplomatischer Corps – der Sportplatz an der Nordendstraße hat sie alle erlebt.

Die Nordendstraße wurde unmittelbar nach der Jahrhundertwende als ungepflasterter Grenzweg nach Rosenthal angelegt. Die Gegend um die Nordendstraße ist von kleinen Wassergräben durchzogen und war früher sehr feucht. Pankow wurde von hier aus durch zwei Wasserwerke mit Grundwasser versorgt. Als diese ihre Tätigkeit 1911 einstellten und die zentrale Wasserversorgung von Stolpe aus erfolgte, führte das ringsherum zu Hochwasserproblemen. Zur Trockenlegung wurde einer der ersten Regenabwasserkanäle unter der Nordendstraße angelegt, mit dem Ergeb¬nis, dass das Gelände des Sportplatzes nunmehr bei jedem Wetter gut bespielbar ist.

Die Nordendstraße ist benannt nach der Kolonie „Nordend“, zum Ortsteil Rosenthal gehörend. Dort liegt auch der Zugang. Früher hatte der so genannte Treskowsportplatz auch einen Eingang nach Niederschönhausen zur Treskowstraße hin und wurde hauptsächlich von Fußballvereinen genutzt. Sigismund von Treskow (1864 bis 1945) war Mitglied im Landrat des Kreises Niederbarnim. Pankow gehörte bis 1920 vor Eingemeindung in den Stadtverband von Groß-Berlin zum Kreis Niederbarnim. Die Straße, benannt nach S. Treskow, wurde bereits 1899 angelegt.

Zurück zur Nordendstraße. Gepflegte Maulbeersträucher schirmen die Sportanlage von der Straße ab und zeugen vom Traditionsverständnis der Bürger in dieser Gegend. Erste Anpflanzungen mit Maulbeeren gehen auf Königin Elisabeth Christine (1715 bis 1797) zurück. Die Gemahlin Friedrich des II. lebte hier in den Sommermonaten im nahe gelegenen Schloss Schönhausen. In Schönholz wurden Maulbeerpflanzungen für die Seidenraupenzucht angelegt und man siedelte dazu böhmische Tuchmacher an.

Schon von 1688 an hatten sich viele aus Frankreich ausgewiesene Hugenotten in Pankow, besonders aber in Französisch Buchholz, niedergelassen.

Auf dem Treskowsportplatz tummelten sich bis 1945 hauptsächlich bürgerliche Vereine. Er gehörte seit 1931 zu Tennis-Borussia. Auch die Hitlerjugend übte und marschierte auf dem Platz. Zur Nordendstraße hin stand damals ein Holzzaun. Das Spielfeld wurde von einer hölzernen Barriere für die Zuschauer abgegrenzt

Dann kam das Ende des 2. Weltkrieges. Nach der Kapitulation wurde eine Vereinsbildung im Sport nicht gestattet In diesen Tagen waren in Pankow vielerorts die Tribünen, Umkleidebaracken und Zäune der Sportplätze abgetragen und verheizt worden. Während aber in den meisten Parks Beete und Felder zur individuellen Ernährung und zur Arbeitsbeschaffung angelegt wurden, waren schon im Jahr nach dem Zusammenbruch die meisten Sportplätze notdürftig wiederhergestellt darunter auch der Treskowsportplatz.

Der Platz diente vorwiegend dem Breitensport und der Sportaktivbewegung. Mit der Anerkennung der DDR richteten viele Staaten ihre Botschaften und Residenzen vorwiegend in Pankow ein. Der Sportplatz wurde nun ausschließlich vom Diplomatischen Corps genutzt und besonders zum Tennisspielen. Der Öffentlichkeit war er nicht mehr zugänglich. Von einem Wachhäuschen aus kontrollierte man den Zutritt Es gab aber die Möglichkeit, bei besonderen Anlässen einen Tisch im Restaurant zu bestellen, bedient zu werden und das Treiben der Diplomaten und ihrer Angehörigen zu bestaunen.

Nach der Wende hat sich die SPOK gGmbH dort angesiedelt und das Gelände wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht Die Anlage ist weitgehend unter ökologischen Gesichtspunkten gestaltet und erfreut sich bei den Sportbegeisterten im Umkreis größter Beliebtheit.

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